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Nitrit - Salz als "Gegenmittel"

 
"Hilfe, der Nitritwert in meinem Aquarium sinkt nicht!" Solche, oder ähnliche Sätze liest man immer häufiger.
Wir möchten uns diesem Thema einmal widmen und euch eine kurze schnelle Möglichkeit nennen, das Problem in den Griff zu bekommen. VORWEG: Das ist kein wissenschaftlicher Beitrag. Jeder Aquarianer soll das Thema verstehen. Daher geben wir die wesentlichen Punkte gut verständlich wieder und gehen nicht zu stark in die Materie.
 
Wir haben die Methode auch nicht erfunden! Wir wurden vor ein paar Monaten durch einen guten Bekannten aufmerksam auf diese Methode und hielten es f√ľr h√∂chst interessant, da die Praktik scheinbar kaum verbreitet/bekannt ist. Es funktioniert aber!
 
Doch fangen wir erst einmal vorne an.
 
Cynotilapia zebroides Cobue
Cynotilapia zebroides Cobue
 

Was ist Nitrit (NO2) √ľberhaupt?

Nitrit ist ein f√ľr Fische hoch giftiger und vor allem t√∂dlicher Schadstoff, der durch mikrobiologische Abbauprozesse im Aquarium entsteht. Vereinfacht ausgedr√ľckt -> Arbeitet die biologische Filterung im Aquarium nicht sauber, so muss man einen messbaren Nitrit-Wert f√ľrchten.
 

Ab wann ist Nitrit f√ľr die Fische gef√§hrlich?

Die Frage ist schnell beantwortet! Sobald der Wert messbar ist, sollte man Gegenmaßnahmen einleiten!
Kleinste Mengen k√∂nnen zu einer "Nitritvergiftung" f√ľhren. Das Nitrit verhindert den Sauerstofftransport im Blut. Das f√ľhrt dazu, dass die Atmung des Fisches extrem eingeschr√§nkt wird. Bevor weitere Sch√§den durch das Nitrit entstehen k√∂nnen, KANN der Fisch also qualvoll ersticken. Oft ist zu beobachten, dass die Fische stark pumpend (atmen) an der Wasseroberfl√§che h√§ngen, oder bereits so schwach sind, dass sie stark pumpend auf dem Bodengrund auf den Tod warten.
 

Wie wird Nitrit aufgenommen?

Nitrit wird, wie Chlorid √ľber die Kiemen aufgenommen. Wieso wir "Chlorid" nun extra erw√§hnen? Ganz einfach! Chlorid ist der Schl√ľssel zum "Erfolg". Chlorid und Nitrit stehen in Konkurrenz zueinander. Das bedeutet nun, dass bei erh√∂htem Nitritwert, mehr Nitrit als Chlorid aufgenommen. 
Chlorid ist √ľbrigens ungiftig im Vergleich zum Nitrit. Wir m√ľssen also das Chlorid-Nitrit Verh√§ltnis zu Gunsten von Chlorid ver√§ndern. 
 
JBL-Tröpfchentest
Wir empfehlen zur Messung der Werte einen "Tröpfchentest", wie oben im Bild zu sehen
 

Erste Hilfe bei messbaren Nitritwert

Als erstes sollten wir so viel Nitrit wie m√∂glich aus dem Wasser entfernen. Also f√ľhren wir (mindestens) einen 90%igen Wasserwechsel durch. 
Lässt man das Aquarium nun so weiter laufen (wir beziehen uns auf ein besetztes Malawiseeaquarium), wird man binnen weniger Stunden erneut einen erhöhten Nitrit-Wert messen können.
Wir m√ľssen nun also verhindern, dass die Fische das giftige Nitrit aufnehmen k√∂nnen. Wie oben schon angesprochen, m√ľssen wir dem Wasser Chlorid zuf√ľhren. Das geht am einfachsten mit handels√ľblichem Speisesalz!
Geringe Mengen reichen aus, um das Verhältnis so zu verschieben, dass die Fische kein/kaum Nitrit mehr aufnehmen. Dementsprechend wirkt das Nitrit nicht mehr toxisch. Es KANN sein, dass im Leitungswasser genug Chlorid enthalten ist, dass dieser Effekt automatisch gegeben ist und Nitrit quasi nicht tödlich wirkt. Wir gehen aber kein Risiko ein!
Wir empfehlen eine Dosierung von 1g/L. Bei 500L NETTO-Wasservolumen also 500g Speisesalz. Es spielt √ľbrigens absolut keine Rolle, ob es jodfreies, oder jodiertes Speisesalz ist. So hat man mit ~50Cent erst einmal Abhilfe geschaffen.
Das Salz kurz in einem Eimer mit Wasser aufl√∂sen und dann im Aquarium verteilen. 
1g/L ist √ľbrigens in keinster Weise sch√§dlich f√ľr Malawiseebuntbarsche. Selbst 3-5g/L vertragen die Tiere √ľber kurze Zeit ohne Probleme!

Zum Verständnis!

Man mindert NICHT die Menge an vorhandenem Nitrit im Wasser! Man verhindert lediglich, dass die Fische das toxische Nitrit aufnehmen!
 
Und nun?
Nun sollte man daf√ľr sorge tragen, dass der Filter seine biologische Arbeit anst√§ndig aufnimmt. Dazu empfiehlt sich das animpfen mit Filterschlamm aus einem bereits laufenden Filter, oder auch "Starterbakterien". Viele m√∂gen diese Starterbakterien nicht f√ľr sinnvoll halten. Aber um den Prozess im Filter zu beschleunigen sind solche Bakterien durchaus zu verwenden.
Zu empfehlen w√§ren z.B. S√ĖLL Baktinetten.
Starterbakterien sind, wie der Name schon sagt NUR "Starter". Dementsprechend wird es noch ein paar Tage dauern, bis sich der biologische Prozess im Filter korrekt einstellt.
 
Keine Panik! Wenn das Salz im Becken ist, gen√ľgt der normale w√∂chentliche Wasserwechsel! Dieser darf mit 80% aber gerne etwas √ľppiger ausfallen. Aber bitte die gewechselte Wassermenge nachsalzen!
 
Nach maximal 2 Wochen sollte eine DEUTLICHE Absenkung des Nitritwertes messbar sein. I.d.R. ist Nitrit nun nicht mehr messbar. Nun kann auch das Salz "abgesetzt" werden. Einfach beim Wasserwechsel nicht mehr aufsalzen. 
 

Kann ich mein Becken so auch direkt besetzen und brauche es nicht einfahren lassen?

Eine korrekte Antwort auf die Frage ist schwierig.
Ja, es ist möglich. ABER!
Es w√ľrde MONATE dauern, ein Aquarium anst√§ndig ohne Besatz einlaufen zu lassen -> Selbst dann w√ľrde der Nitritwert aber ansteigen, wenn man endlich Fische einsetzt (Er sinkt dann halt nur schneller wieder). Ideal w√§re es, nach und nach ein paar Fische einzusetzen. Aber im Falle unserer Malawiseebuntbarsche ist das eher kontraproduktiv! Reviere bilden sich -> Nachsetzen bedeutet Stress -> Stress f√ľhrt zu weiteren Problemen...
Sollte man wirklich ein komplett neues Becken starten und hat keine M√∂glichkeit, einen eingelaufenen Filter zu √ľbernehmen, oder einen neuen Filter anzuimpfen, so empfiehlt sich, das Becken ein paar Tage/Wochen laufen zu lassen, Starterbakterien zu verwenden und dann den gew√ľnschten Besatz gemeinsam mit der o.g. Dosierung Salz einziehen zu lassen. Einen Nitritpeak wird es definitiv geben! Man verhindert mit dem Salz lediglich entstehende Sch√§den dadurch. 
 
Man muss sich aber immer bewusst sein, dass der Nitritwert dennoch vorhanden ist! Ob der "Trick" mit dem Salz auch bei Welsen, wie den Ostafrikanischen Synodontis funktioniert, können wir nicht sagen. Dementsprechend lasst die Welse bitte erst später einziehen!
 
 
Beitrag: Steven Sasin
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Bilder: Markus Bredehöft, Steven Sasin